Was tun bei Haarausfall?

Jeder Mensch verliert täglich Haare. Das ist völlig normal und ein durchaus auch notwendiger Prozess. Aber ab wann spricht man von Haarausfall und was kann man dagegen tun?

Dieses Thema stand im Mittelpunkt meines Live-Interviews am 17. Juni in der BR–Sendung „Wir in Bayern“, Start ist bei 47:27 min:

Hier ist wie immer der Link für alle, die die Sendung in der Mediathek des Bayerischen Rundfunks anschauen möchten. Der Beitrag ist für ca. ein Jahr bis Mitte 2020 zu sehen:

https://www.br.de/mediathek/video/wir-in-bayern-17062019-gefaengnis-frisoerin-haarausfall-meeresfruechte-gemuese-kuechlein-av:5cd00979cf372a001a2b505e

Ab wann diagnostiziert man Haarausfall?

Jeder Mensch verliert täglich Haare, eine Rate von 50 bis 100 Haaren pro Tag ist physiologisch. Ab einer Ausfallrate von mehr als 100 Haaren täglich spricht man dagegen von Haarausfall.

Ist Haarausfall auch ein medizinisches Problem?

Haare erfüllen eine wichtige Schutzfunktion. Sie schützen uns vor den UV-Strahlen der Sonne und helfen indirekt auch das Gehirn vor Überhitzung zu bewahren. Tatsächlich entsteht weißer, UV-bedingter Hautkrebs nur selten auf der behaarten Kopfhaut.

Wie entsteht Haarausfall?

95% aller Haarausfall-Fälle sind hormonell-erblich bedingt. In Europa sind 80% der Männer und fast jede zweite Frau davon betroffen.

Bei den Männern liegt die Ursache in einer erblich veranlagten Überempfindlichkeit der Haarwurzel gegenüber Dihydrotestosteron (DHT ist ein Stoffwechselprodukt des männlichen Geschlechtshormons Testosteron). In der Folge verkümmern die Haarwurzeln und sterben langsam ab. Bei Frauen sind oft vermehrte Androgene, also männliche Geschlechtshormone, oder auch eine erhöhte Empfindlichkeit der Testosteronrezeptoren am Haarfollikel verantwortlich für diese Art des Haarverlusts.

Dr. med. Monique Stengel, BR, Wir in Bayern, 17.06.19 Thema Haarausfall

Kann man erblich bedingten Haarausfall behandeln?

  • Zur äußerlichen Anwendung kann man Minoxidil als Schaum oder Lösung auf die betroffenen Bereiche auftragen. Das sollte wenigstens über einen Zeitraum von zwei Monaten erfolgen bzw. bei gutem Ansprechen lebenslang zur Erhaltungstherapie.
  • Zur innerlichen Anwendung eignet sich Finasterid 1 mg pro Tag. Dabei handelt es sich um ein verschreibungspflichtiges Medikament mit potenziellen Nebenwirkungen. Es ist nur bei Männern zugelassen.
  • Das Einspritzen von Eigenplasma (PRP= Platelet Rich Plasma) in die betroffenen Stellen führt zu einer Zunahme der Haardichte, dies konnte in Studien nachgewiesen werden. Da es sich um eine relativ neue Therapieform handelt, gibt es aktuell noch keine Erfahrungen hinsichtlich der Langzeiteffekte.
  • Die Low Level Lasertherapie lässt sich mit einem Laser-Kamm zuhause selber durchführen. Auch hier konnte in Studien eine erhöhte Haardichte nachgewiesen werden. Die Nebenwirkungen beschränken sich auf Juckreiz, Wärmegefühl und trockene Haut, generell ist diese Therapie aber sehr gut verträglich. Wie bei PRP fehlen aber auch hier noch Aussagen über die Langzeiteffekte.
  • Die letzte Möglichkeit ist die Haartransplantation, die sich allerdings auch nur bei Männern bewährt hat.

Welche weiteren Arten von Haarausfall gibt es?

Kreisrunder Haarausfall
Hier handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit, die zu kreisrunden, kahlen Stellen auf dem Kopf, seltener auch im Augenbrauen-, Wimpern- oder Bartbereich führt. Die körpereigenen Immunzellen kreisen um die Haarfollikel und lähmen diese.
In 80% der Fälle ist diese Art des Haarausfalls vorübergehend und die Haare wachsen von alleine wieder nach. In leichten Fällen kann daher abgewartet werden. Alternativ kann eine Therapie eingesetzt werden, die das Immunsystem unterdrückt, z.B. Cortison als Schaum oder Lösung.
Zink- und Biotin-Tabletten wirken unterstützend, sollten aber mindestens sechs bis acht Wochen lang eingenommen werden.

Diffuser Haarausfall
Beim diffusen Haarausfall fallen die Haare im gesamten Kopfbereich aus. Die Ursachen sind oft hormonell bedingt durch die Wechseljahre oder nach der Geburt eines Kindes. Aber auch ein Zink- oder Eisenmangel, psychischer Stress, Erkrankungen der Schilddrüse oder bestimmte Medikamente (z.B. Heparinspritzen) können einen diffusen Haarausfall verursachen.
Die Art der Behandlung richtet sich nach dem jeweiligen Auslöser und sollte mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Spezielle Formen
Auch Haare, die permanent unter Zug- oder Druckbelastung stehen, können ausfallen. Das kann vorkommen bei immer streng zurück gebundenen Haaren oder zum Beispiel bei Säuglingen, die in den ersten Lebensmonaten viel auf dem Hinterkopf liegen.

Wie lässt sich Haarausfall behandeln?

Grundsätzlich lassen sich leider nicht alle Arten von Haarausfall erfolgreich behandeln. Der häufigste, also der erblich bedingte Haarausfall, lässt sich bei rechtzeitiger Behandlung zumindest aufhalten und die noch vorhandenen Haare können auch wieder dichter werden. Je früher die Diagnose gestellt und die Behandlung begonnen wird, desto mehr Haare können langfristig erhalten werden.

Haarausfall verursachende Krankheiten

Folgende Krankheiten können u.a. Haarausfall verursachen:

  • Infekte (Haarausfall tritt 2-3 Monate danach auf)
  • Kopfhauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte
  • schwere Tumorerkrankungen
  • Schilddrüsen-Erkrankungen
  • Eisenmangel
  • Zinkmangel
  • allgemeine Mangelernährung

Was können Betroffene selbst tun bei Haarausfall?

  • Achten Sie auf Ihre Ernährung! Vitamin B7, bzw. Vitamin H (Biotin) und Zink sind wichtig für einen gesunden Hautstoffwechsel und für Haare oder Nägel. Haferflocken, Nüsse und Eigelb enthalten Biotin. Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte enthalten Zink, ebenso wie Linsen, Käse und ebenfalls Haferflocken.
  • Kopfmassagen helfen, die Kopfhaut regelmäßig zu durchbluten.
  • Verwenden Sie Haarbürsten mit Naturborsten. Diese haben eine pflegende Wirkung, indem sie das Fett der Kopfhaut im Haar verteilen und die Durchblutung fördern. Die Borsten sollten abgerundet sein und bei Kämmen sind Zinken mit etwas größeren Abständen zu empfehlen.
  • Zu heißes Föhnen schadet Haaren und Kopfhaut. Wenn möglich lassen Sie Ihre Haare an der Luft trocknen.
  • Tägliches Waschen trocknet die Kopfhaut aus. Beim Waschen das Shampoo nur 1x anwenden. Benutzen Sie ein mildes, ph-neutrales Shampoo und bei Bedarf zusätzlich eine passende Pflegespülung.
  • Bleichen, Glätten oder auch eine Dauerwelle belasten die Haare. Wer nicht darauf verzichten möchte, sollte die Prozeduren so selten wie möglich anwenden. Zu straff gebundene Pferdeschwänze oder ein Dutt üben viel Zug auf die Haarwurzeln aus und können zum Haarausfall beitragen.
  • Schützen Sie Ihre Haut und Haare vor der UV-Strahlung, indem Sie eine geeignete Kopfbedeckung tragen (z.B. einen dichten Strohhut mit breiter Krempe) und meiden Sie die Mittagssonne zwischen 11 Uhr und 15 Uhr.