Halten Anti-Falten-Cremes, was sie versprechen?

Wann beginnt denn überhaupt die Hautalterung und damit einhergehend die Faltenbildung?

Die Hautalterung beginnt bei Frauen und Männern etwa ab dem 25. Lebensjahr.

Wodurch ist die Hautalterung bedingt?

Die Hautalterung ist durch äußere (extrinsische) und innere (intrinsische) Faktoren bedingt. Man schätzt mittlerweile, dass innere Faktoren, also die genetische Anlage eines Menschen, gerade mal 20% zur Hautalterung beitragen. Äußere Faktoren tragen zu den restlichen 80% zur Hautalterung bei und sind damit beeinflussbar. Dazu zählt oxidativer Stress durch UV-Strahlung der Sonne oder aus Solarien, eine falsche Ernährung, Rauchen, Übergewicht, Stress und Umweltschadstoffe wie Abgase und Dieselruß. UV-Strahlung beispielsweise dringt je nach Wellenlänge unterschiedlich tief in die Haut ein und führt dort zur Bildung von freien Sauerstoffradikalen und DNA-Schäden.Nikotin führt ebenfalls zu vermehrter Radikalenbildung, zu verminderter Hautdurchblutung und damit zu reduzierter Versorgung der Haut mit Nährstoffen und Sauerstoff, was die Hautalterung beschleunigt.

Der Beitrag zur „Anti-Falten-Creme“ im Bayerischen Rundfunk in „Wir in Bayern“ am 23.04.18

Was sollte eine wirksame A-F-C beinhalten und wie wirken diese Stoffe?

Es gibt eine ganze Reihe von wirksamen Inhaltsstoffen:

Vitamin-A-Säure-Präparate wie Retinol, Retinaldehyd oder Tretinoin (Tretinoin verschreibungspflichtig)stimulieren die Kollagen-Neubildung. Tretinoin hemmt zusätzlich die durch UV-Strahlung verursachte Bildung kollagenabbauender Enzyme.

Vitamin C bewirkt eine Kollagenneubildungund Zunahme elastischer Fasern und hat außerdem antioxidative Eigenschaften.

Vitamin E soll das Hautrelief glätten, das Feuchthaltevermögen der Hornschicht steigern, die Wundheilung beschleunigen und vor UV-Licht schützen. Belege hierfür aus In-vivo-Untersuchungen sind spärlich. In einer Untersuchung wurde nach vierwöchiger Anwendung eine hautglättende Wirkung gefunden. In einer anderen In-vivo-Untersuchung wurden für eine Vitamin-E-haltige Formulierung UV-Schutz- Effekte gezeigt. Vor UV-Bestrahlung auf die Haut aufgetragen, wies die Emulsion mit Vitamin E höhere antioxidative Eigenschaften auf und konnte entzündliche Hautschäden und UV-verursachte Rötungen wirkungsvoller verhindern als die Grundlage ohne Wirkstoff.

Niacinamid (Vitamin B3): stimuliert die Durchblutung, die Kollagenbildung und die Bildung von Ceramiden, also hauteigenen Fetten.

In Studien kam es nach 2x täglicher Anwendung über 3 Monate zu einer signifikanten Reduktion von feinen Linien, Fältchen und zu einer Abnahme von Hyperpigmentierungen, Rötungen und Gelbverfärbungen im Gesicht. Außerdem wurde eine Zunahme der Hautelastizität festgestellt. Niacinamid regt die mit fortschreitendem Alter abnehmende Bildung von Ceramiden, also hauteigenen Fetten, an.

niedermolekulare Hyaluronsäure: In Studien konnte gezeigt werden, dass die 2x tägliche Anwendung von Hyaluronsäurefragmenten im Vergleich zur Placeboseite eine signifikante Steigerung der Hautelastizität und eine Glättung des Hautreliefs bewirkt.

Ubichinon-10 (Coenzym Q10) ist wie Vitamin E ein fettlösliches Antioxidans. 

Es kann bis in tiefere Schichten der Oberhaut eindringen und die körpereigenen Q10-Spiegel wieder auffüllen. In einer in-vitro-Studie wurde gezeigt, dass die Substanz in menschlichen Fibroblasten signifikant die Bildung von kollagenabbauendem Enzym nach UVA-Strahlung reduziert. In einer weiteren Studie wurde gezeigt, dass Coenzym Q10 in kleine Partikel eingearbeitet in menschliche Keratinozyten eindringt und dort den durch UV-Strahlung erzeugten oxidativen Stress reduziert.

Resveratrol (Polyphenol) aus Traubenhaut, Nüssen und Granatäpfeln und ist ein   Antioxidans, das freie Radikale neutralisiert und die körpereigenen antioxidativen   Kapazitäten erhöht. Außerdem hat Resveratrol entzündungshemmende   Eigenschaften.

Dagegen hat eine Anti-Aging-Creme keinen Einfluss auf stark der Mimik unterlegene Falten wie z.B. eine starke Zornesfalte und generell schlaffe Hautpartien. Aufhellende Wirkstoffe sind Tretinoin, Azelainsäure, Ascorbinsäure, Niacinamid.

Können auch Naturkosmetikfirmen wirksame Anti-Falten-Cremes bieten oder ist Faltenreduktion auf rein natürlicher Basis nicht effektiv?

Wirksame Inhaltsstoffe gibt es auch in der Naturkosmetik wie den Feuchtigkeitsspender Hyaluronsäure oder das Antioxidans Resveratrol aus Weintraubenhaut.

Kann man Anti-Falten-Cremes auch vorbeugend gegen Falten nehmen?

Die beste Anti-Falten-Prävention ist ein guter Sonnenschutz, da die UV-Strahlung maßgelblich zur vorzeitigen Hautalterung beiträgt und eine gesunde Lebensweise. Wer zusätzlich bei junger Haut mit Kosmetik vorbeugen möchtesollte möglichst leichte Texturen verwenden, da junge Haut oft mit Unreinheiten auf zu reichhaltige Kosmetika reagiert. Bei einigen Inhaltsstoffen wie Z.B. bei Retinol sollte man beachten, dass die Haut durch deren Anwendung empfindlicher auf UV-Strahlung reagiert. Also am besten nur zusammen mit Sonnenschutz anwenden.

Wie lang sollte man die Anti-Falten-Cremes anwenden, damit sich eine Wirkung zeigt?

Die Inhaltsstoffe brauchen Zeit, bis sie wirken, das sind je nach Art der Inhaltsstoffe einige Wochen, manchmal auch einige Monate.

Wie lange hält die glättende Wirkung vor?

Werden die Cremes abgesetzt, lässt die Wirkung natürlich wieder nach, abhängig vom jeweiligen Wirkstoff unterschiedlich schnell.

Kann die Haut „abhängig“ werden von solchen Cremes?

Nein. Nicht im eigentlichen Sinne wie man körperlich abhängig von Alkohol oder Nikotin werden kann. Viele mögen und gewöhnen sich aber an das Hautgefühl, das eine auf den jeweiligen Hauttyp und -zustand abgestimmte Pflege auf der Haut hinterlässt, das hat auch viel mit Wohlbefinden zu tun.

Sollte man Anti-Falten-Cremes nur partiell auftragen oder auf das ganze Gesicht?

Auf das ganze Gesicht, ggf. auch auf Hals und Dekolleté je nach Inhaltsstoffen unter Aussparung der Augenregion, spezielle Cremes mit Wirkung gegen Pigmentflecken nur punktuell auf die dunklen Stellen.

Ist es sinnvoll, für die Augenpartie eine spezielle Anti-Falten-Cremes zu verwenden?

Ja, weil die Lidhaut die dünnste und empfindlichste Region ist und früh zu Trockenheitsfältchen neigt. Hier gibt es Produkte, die speziell für dieses sensible Areal entwickelt wurden und die Haut mit ausreichend Feuchtigkeit versorgen.

Sind hochpreisige Anti-Falten-Cremes in jedem Fall wirksamer als günstige?

Nein, wirksame Inhaltsstoffe finden sich in allen Preisklassen.

Worauf sollte man beim Kauf von Anti-Falten-Cremes achten?

Auf eine Creme die zu meinem Hautzustand passt. Trockene Haut etwa ab den Wechseljahren braucht eine reichhaltige Pflegecreme, dagegen kann man bei einer zu Unreinheiten neigenden Haut das Hautbild verschlechtern durch zu reichhaltige Inhaltsstoffe. Lassen Sie sich bei Unsicherheiten beraten.

Ein kurzer Tipp, wie man die Faltenbildung auch ohne Spezialcremes vermeiden bzw. herauszögern kann?

Das wichtigste ist ein konsequenter Sonnenschutz, da UV-Strahlung das Photoaging, also die lichtbedingte vorzeitige Hautalterung, verursacht.  Australische Forscher konnten zeigen, dass eine gesunde Ernährung mit mediterraner Kost die Haut länger jung halten kann. Das liegt wohl an dem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren und pflanzlichen Schutzstoffen. Eine solche Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Nüssen, Fisch und pflanzlichen Ölen tut dem ganzen Körper gut. Ein großes antioxidatives Potenzial und damit eine gewisse Schutzwirkung gegen freie Radikale haben z.B. Himbeeren, Johannisbeeren, Erdbeeren, Oliven, Spinat, Peperoni, Zwiebeln und Heidelbeeren. Trinken Sie ausreichend, damit sich Durchblutung und Sauerstoffversorgung der Haut verbessern. Grüner Tee und Espresso enthalten reichlich Antioxidantien. Verzichten Sie auf Nikotin und auf übermäßigen Konsum von Alkohol. Versuchen Sie soweit wie möglich, Stress zu reduzieren und Ihrem Körper ausreichend Schlaf zu gönnen, da im Schlaf Wachstumshormone aktiv sind, welche die Zellteilung ankurbeln und die Bildung neuer Kollagenfasern bewirken können.

Weiterführende Infos zur Faltenbehandlung  finden Sie hier.